„Uups, ich habe kein Geld dabei“

So reagieren Beizen im Test

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Normalerweise prüfen wir vor einem Restaurant-Besuch, ob wir Geld dabei haben. Doch was passiert, wenn wir unsere Rechnung nicht bezahlen können? Konsumer-Redaktorin Melanie Haas machte den kniffligen Test in vier Lokalitäten. Super vorbildlich, wie unsere Beizer teilweise reagiert haben. Aber Achtung: Einfach abhauen ist keine gute Idee, sonst landet man schnell 3 Jahre im Knast.

Wirtschaft zur Schlacht, Sempach

Ich genoss mein Mittagessen auf der sonnigen, gut besuchten Terasse zwischen Geschäftsleuten, Pärchen und Pensionären. Je mehr ich ass, desto aufgeregter wurde ich. Wie werden die Wirtsleute auf einen «Zechpreller» reagieren. Nach dem Essen brachte die Kellnerin die Rechung, worauf ich anfing, nervös meine Tasche zu durchwühlen. Dabei stand sie geduldig neben mir und registrierte sehr schnell, dass ich mein Portemonnaie nicht finden konnten. Ich gestand ihr schliesslich, dass ich kein Zahlungsmittel dabei hätte. Die Reaktion? Freundlich und ruhig erklärte sie mir, das sei kein Problem und sie würde mir nach Absprache mit ihrem Chef einen Einzahlungsschein geben. Die Gäste in meiner Nähe bekamen die Szenerie mit und schienen teilweise peinlich berührt. Sie wichen meinem direkten Blick aus. Als die Kellnerin zurückkehrte, um meine Daten aufzunehmen, klärte ich sie über das Ganze auf. Schliesslich wechselte ich auch mit dem Gastgeber, Rolf Wey, ein paar Worte. «Ja, ähnliche Fälle kamen schon vor, das ist aber nicht schlimm,» sagte der freundliche Mann.

Bar im Grand Hotel National, Luzern

Beflügelt von meinem ersten Testlauf begab ich mich an die elegante Bar des Fünf-Sterne-Hotels am Ufer des Vierwaldstättersees. Dort waren nicht viele Menschen, aber die Atmosphäre war entspannt und gelöst. Ich genoss zwei Drinks und liess dabei das edle Ambiente auf mich wirken. Nach meinem letzten Schluck verlangte ich die Rechnung, die ich natürlich wieder nicht bezahlen konnte. Mein Dilemma fiel kaum jemanden auf, zumal der Kellner auch sehr diskret war. Nachdem ich meine Zeche dann doch beglichen hatte, fragte ich ihn, ob eine solche Situation schon öfters vorgekommen sei. Er bejahte, aber man nehme dann immer die Kontaktdaten auf. Und wenn jemand eine falsche Adresse hinterlegen würde? «Wir vertrauen auf die Ehrlichkeit der Gäste», so der Barmann.

Pizzeria zur Mühle, Sursee

Als drittes Lokal hatte ich mir die Pizzeria Zur Mühle in Sursee ausgesucht. Ich hatte meine zwei ersten Besuche schadlos überstanden. Dennoch war ich leicht aufgeregt: Was würde passieren, wenn jemand die Polizei einschalten würde? Ich bestellte eine Pizza und wurde sehr freundlich und zuvorkommend bedient. Die Stimmung auf der Terasse war gelöst. Nach dem Essen begann ich mein Schauspiel erneut. Ich kramte wieder scheinbar erfolglos in meiner Tasche. Die Kellnerin neben mir wartete geduldig und sagte schliesslich, sie käme später wieder. Die Gäste um mich herum begannen zu tuscheln. Mit jeder Minute, in welcher die Kellnerin nicht erschien, stieg meine Nervosität. Was, wenn sie die Polizei einschalten würde? Nach längerer Zeit beschloss ich mit weichen Knien ins Restaurant zu gehen. Da ich mein Schauspiel nicht länger aufrecht erhalten konnte, klärte ich die beiden auf und bezahlten meine Rechnung. Der Wirt reagierte gelassen und verriet mir, dass solche Sachen schon öfters vorgekommen seien. Man habe inzwischen ein Auge dafür. Zum Beispiel, wenn sich jemand auffällig verhalte und immer das Teuerste bestelle.

La Pista, Sempach

Mein letzter Trip führte mich an den Bahnhof in Sempach wo ich im La Pista einen Kebab bestellte. Danach zog ich wie bisher meine Show und war perplex, als die Kellnerin die Rechnung sofort mitnahm und sagte: «Dann zahlen sie halt später!» Es passiere einige Male, dass Kunden nicht zahlen könnten, zumal das Restaurant nur Bargeld annehme. «Aber die meisten kommen dann wieder und regeln alles.»

Fazit meiner «Zechpreller-Tour»: Unsere Wirte kochen alle ab!

Bis zu 3 Jahren Haft
Laut Strafgesetzbuch kann eine Zechprellerei mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren bestraft werden. Doch Brigitte Meier-Schmid, Leiterin Marketing und Kommunikation von GastroSuisse betont: «Hat der Gast versehentlich kein Bargeld mit dabei, so gibt es verschiedene Lösungsansätze. In der Regel sucht der Unternehmer zusammen mit dem Gast eine Lösung. Ganz klar davon zu unterscheiden ist der Fall, in dem sich jemand vorsätzlich der Bezahlung entzieht, indem er/sie das Lokal einfach verlässt.»

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